Zitiert: Es gibt dieser Tage keine radikalere journalistische Erzählform als Podcasts

Podcast-Serien mögen für Verlage eine lohnende Sache sein, sie lohnen sich aber, viel wichtiger, auch inhaltlich: weil sie in Zeiten schrumpfender Etats und Umfänge eine neue, vielstimmige Bühne für komplexe Stoffe geworden sind, wie der Fall Block definitiv einer ist. Dass das auch noch gut ankommt, ist ein Glücksfall: Sind Podcastserien die erste lukrative Form, die in Zeiten veränderter Aufmerksamkeits- und Medienkonsum-Logiken journalistische Tiefe in die Breite sendet? Ohne dass man das hätte ahnen können, hat sich – auf den Schultern von Podcast-Pionieren stehend, aber auch verwurzelt im klassischen Radiofeature – so für Reporter eine weitere Königsdisziplin entwickelt. Weswegen auch immer mehr Schreibende, die vom reinen Text kommen, Podcasts für sich entdecken – so wie die Reporterpreis-, Wächterpreis- und Herbert-Riehl-Heyse-Preisträgerin Anne Kunze von der Zeit.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass es eine Podcast-Serie war, die eine radikale Reaktion der Justiz provoziert hat. Denn es gibt dieser Tage keine radikalere journalistische Erzählform.

Patrick Bauer, sueddeutsche.de, 28.10.2026 (online)