Der Medienpolitiker Rainer Robra hat zehn Jahre den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Sachsen-Anhalt geprägt. Zeit zu feiern, dass er weg ist. […]
Denn hier geht eine der kompliziertesten Liebesbeziehungen zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und einem seiner größten Fans zu Ende. Ja, der CDU-Mann Robra war grundsätzlich natürlich großer Verfechter von ARD, ZDF und Co. Im Alltag tarnte er sich aber immer höchst geschickt und (ver-)kämpfte sich in der öffentlichen Wahrnehmung eher mal gegen sie. […]
Leidtragender war vor allem der MDR, der sich meist stoisch ins Schicksal schickte, jetzt aber Tacheles redet. Denn es sei schließlich 2020 nicht die AfD, sondern die von der CDU geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt gewesen, die verfassungswidrig die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abgelehnt habe, sagt MDR-Justiziar Jens-Ole Schröder heute. […]
Rainer Robra hat damit nichts mehr zu tun. Dass er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich zu Reformen und damit zur eigenen Zukunftsfähigkeit antreiben wollte, ist unbestritten. Doch der tragische Held aus Hannover wurde mit seiner Strategie zum kleinen ÖRR-Tierfreund, der aufs falsche Pferd setzte und sich und dem System so einen Bärendienst erwies.
Steffen Grimberg, taz.de, 07.10.2026 (online)

