Zitiert: Eine moderne Redaktion muss lernen, ein „Chef“ für die KI zu sein

Wer 40 Jahre lang im Journalismus tätig ist, hat zahlreiche technologische Umbrüche miterlebt. Am Anfang waren da noch die lauten Redaktionsstuben, in denen das Klappern der mechanischen Schreibmaschinen den Takt der Nachrichtenproduktion vorgab. Dann kam der Umbruch zu elektronischen Redaktionssystemen. Es folgte der Übergang von der Analog- zur Digitalfotografie, bei dem die Dunkelkammer Speicherkarten und Bildbearbeitungsprogrammen weichen musste, was entsprechende Manipulationen möglich machte, die indes zuvor auch nicht ausgeschlossen waren.

Die moderne Textverarbeitung etablierte sich, schnelles Umbauen und auch das Kopieren von Texten wurde möglich. Schließlich schien die Disruption des Internets den Schlusspunkt zu setzen. Doch weit gefehlt.

Im Zuge dieser Veränderungen gibt es immer wieder Warner, die den Untergang des journalistischen Handwerks befürchten. Aber der richtige Weg war nie Verweigerung, sondern die kluge Aneignung. Es galt stets, die neuen Werkzeuge zu beherrschen, um das eigene Handwerk zu verbessern und das Geschäft betriebswirtschaftlich wettbewerbsfähig zu halten.

Die KI ist nun der nächste und bisher gewaltigste Schritt in dieser Kette. Der richtige Weg aber ist auch hier der bewusste und von Menschen kontrollierte Einsatz von KI im redaktionellen Alltag. Eine moderne Redaktion muss lernen, ein „Chef“ für die KI zu sein.

Carsten Knop, faz.net, 17.06.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)