Zitiert: Ein voyeuristisches Boulevardstück im Deckmantel des investigativen Journalismus

Immer wieder hat es in der Vergangenheit Versuche gegeben, die Identität Banksys zu entschlüsseln. Einige davon kamen bereits zu belastbar wirkenden Ergebnissen, etwa eine Recherche der britischen Daily Mail von 2008, die Gunningham als den Street-Art-Star identifizierte. Zu Massive-Attack-Sänger Robert Del Naja führt wiederum die Spur, dass wiederholt Banksy-Graffitis in Städten auftauchten, in denen die Band gerade ein Konzert gespielt hatte. Und sowohl Gunningham als auch Del Naja kommen wie der Künstler aus Bristol. Ein endgültiger Beweis fehlte aber bisher.

Bis jetzt. Ein dreiköpfiges Investigativ-Team der renommierten Nachrichtenagentur Reuters hat sich auf die Suche nach Banksy begeben und ist aufgrund neuer und sehr überzeugender Belege bei Robin Gunningham gelandet. Dazu flogen die Rechercheure in ukrainische Kriegsgebiete, wo Banksy 2022 Werke hinterlassen hatte. Sie fanden bisher unbekannte Polizeiakten in New York, in denen Gunninghams Name steht. Sie verglichen Fotos und sprachen mit unzähligen Wegbegleitern und Augenzeugen.

Man kann das eine beeindruckende Rechercheleistung nennen. Mir erscheint es hingegen als sinnlose journalistische Selbstdarstellung. Ein voyeuristisches Boulevardstück im Deckmantel des investigativen Journalismus. […]

Nun erlaubt das Verhältnis von Presserecht und Persönlichkeitsrecht in UK und den USA den Medien deutlich mehr als hierzulande. Und dennoch bleibt die Reuters-Story für mich ein Paradebeispiel für jenen selbstverliebten journalistischen Aufdeckergestus, hinter dem sich doch bloß die Gier nach Klicks und einer aufmerksamkeitsstarken Story verbirgt. Das ernüchternde Fazit: Niemandem hat diese aufwendige Recherche wirklich etwas gebracht – außer der Eitelkeit der Journalisten.

Alexander Graf, Übermedien-Newsletter, 21.03.2026 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)