Es errechnet wahrscheinliche Fortsetzungen. Liegen technische Fehler, Gremlins und ein alberner Ton in seinem Assoziationsraum nah beieinander, wird aus der Fehleranalyse eben Phantasieprosa. Die Lösung besteht nicht in Einsicht, Reue oder einem Mitarbeitergespräch, sondern in einer weiteren Zeile in den Grundanweisungen einer KI.
Vielleicht ist das die Pointe der Gegenwart. Wir bauen Maschinen, die uns die Arbeit abnehmen sollen – und schreiben ihnen immer längere Zettel mit Benimmregeln. Früher klebte am Drucker: „Bitte Papier nachfüllen.“ Heute steht im Herzen der automatisierten Zukunft: „Bitte nicht über Oger reden.“
Man wünscht sich eine Maschine, die denkt wie wir, aber nicht so abschweift wie wir; die kreativ ist, aber nicht komisch; die klug genug ist, Programmierer zu ersetzen, aber gehorsam genug, beim Wort „Fehler“ nicht sofort einen kleinen grünen Mann mit Schraubenschlüssel vor sich zu sehen. Das ist viel verlangt. Wir selbst schaffen es ja auch nur mit Mühe – und nennen es dann Professionalität.
Kira Kramer, faz.net, 30.04.2026 (online)

