Zitiert: Ein Sprachmodell will nicht seriös sein

Es errechnet wahrscheinliche Fortsetzungen. Liegen technische Fehler, Gremlins und ein alberner Ton in seinem Assoziationsraum nah beieinander, wird aus der Fehleranalyse eben Phantasieprosa. Die Lösung besteht nicht in Einsicht, Reue oder einem Mitarbeitergespräch, sondern in einer weiteren Zeile in den Grundanweisungen einer KI.

Vielleicht ist das die Pointe der Gegenwart. Wir bauen Maschinen, die uns die Arbeit abnehmen sollen – und schreiben ihnen immer längere Zettel mit Benimmregeln. Früher klebte am Drucker: „Bitte Papier nachfüllen.“ Heute steht im Herzen der automatisierten Zukunft: „Bitte nicht über Oger reden.“

Man wünscht sich eine Maschine, die denkt wie wir, aber nicht so abschweift wie wir; die kreativ ist, aber nicht komisch; die klug genug ist, Programmierer zu ersetzen, aber gehorsam genug, beim Wort „Fehler“ nicht sofort einen kleinen grünen Mann mit Schraubenschlüssel vor sich zu sehen. Das ist viel verlangt. Wir selbst schaffen es ja auch nur mit Mühe – und nennen es dann Professionalität.

Kira Kramer, faz.net, 30.04.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)