Eine Petition fordert, das Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang im Grundgesetz zu verankern. Zehntausende haben bereits unterschrieben. Worum geht es? […]
Wie viele Menschen tatsächlich betroffen wären, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Laut Mikrozensus 2025 haben rund 2,1 Millionen Menschen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren (gut drei Prozent) in Deutschland das Internet noch nie genutzt.
In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen liegt der Anteil bei zehn Prozent. Der Anteil der „Offliner“ sinkt zwar kontinuierlich – 2021 lag er noch bei sechs Prozent –, doch absolute Zahlen im Millionenbereich bleiben.
Der hessische Datenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel verweist darauf, dass rund 18 Prozent der Erwachsenen in Deutschland kein Smartphone besitzen. Er erwartet keine Lösung des Problems durch Generationenwechsel.
„Die jeweils nächste Entwicklungsstufe der IT wird immer auch die jeweils nächste Generation überfordern“, erklärte er. „Scheitern heute viele Ältere an der Bedienung des Smartphones, werden in 20 Jahren viele Ältere an der Nutzung von dann modernster KI scheitern.“ […]
„Digitalzwang ist eine demokratische Frage: Wer kann staatliche Leistungen nutzen? Wer hat Zugang zu Angeboten der Grundversorgung? Und wer bleibt außen vor?“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins.
Grundrechte gelten nach dieser Argumentation nicht nur gegenüber dem Staat, sondern auch gegenüber privaten Anbietern, wenn es um zentrale Bereiche wie Mobilität, Kultur und medizinische Versorgung gehe.
Die Forderung lautet daher nicht, die Digitalisierung zu stoppen, sondern Wahlfreiheit als Schutz vor Ausschluss zu verankern.
Andrej Simon, Telepolis, 13.05.2026 (online)

