Zitiert: Ein Neustart des ORF funktioniert nur mit Machtverzicht

Der Rundfunk muss die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger stark und verbindlich einbeziehen. Ihn weiter politischen Freundeskreisen zu überlassen, wäre fatal. Die Zeiten haben sich geändert

Wem gehört der ORF wirklich? Formal ist er eine Stiftung des öffentlichen Rechts ohne klassische Eigentümer. Seinen normativen Anspruch könnte man auf die Formel bringen: „Von allen, für alle, über alle.“ Öffentlich-rechtliche Medien sind demnach „unsere Medien“ – wir finanzieren sie, wir sind ihre Auftraggeberinnen und Auftraggeber, ihre Teilhaberinnen und Teilhaber. In der Realität jedoch gehört der ORF jenen, die ihn politisch kontrollieren. Parteien entscheiden, wen sie in den Stiftungsrat entsenden – und damit, wer Generaldirektor oder Generaldirektorin wird. Dieser bestimmt wiederum, welche Chefredaktionen wie besetzt werden und welche Organisationskultur vorherrscht. […]

Beteiligungsverfahren sind eine Chance – aber auch eine Versuchung: sie als bloße Legitimationsveranstaltung zu nutzen. Folgenlose Partizipation mündet in politischer Frustration. Ein Prozess, dessen Empfehlungen danach in der Schublade verschwinden, richtet mehr Schaden am Institutionenvertrauen an, als wenn man gar nichts gemacht hätte.

Leonard Novy Milo Tesselaar, derstandard.de, 25.03.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)