Das vom Tech-Investor Peter Thiel finanzierte Start-up Objection will die Glaubwürdigkeit von Artikeln durch eine KI und Ex-Agenten bewerten lassen. Auch das „mittelalterliche“ Gerichtssystem soll ersetzt werden. […]
Für 2000 Dollar soll jeder, der möchte, einen öffentlichen Prozess über Aussagen in Presseartikeln starten können. Ablaufen soll er nach einigen der Prinzipien, nach denen auch Gerichte arbeiten, allerdings schneller und günstiger als das „mittelalterliche“, für ein digitales Zeitalter vermeintlich zu schwerfällige Gerichtssystem, so beschreibt es die Website des Unternehmens. Sobald jemand eine „Objection“ (Einspruch) eingelegt, also den Startknopf gedrückt hat, sollen beide Parteien Dokumente hochladen können. […]
Interessant sind die Kriterien, nach denen die KI die journalistische Zuverlässigkeit bewertet, das Start-up listet sie auf der Website auf. Fast ganz unten, nur eine Stufe über bloßen Gerüchten, stehen die Äußerungen anonymer Whistleblower und „nicht gekennzeichnete Leaks“. So ziemlich jede je erschienene investigative Veröffentlichung basiert dieser Logik zufolge zu wesentlichen Teilen auf nahezu wertlosen Belegen. […]
Irgendwann solle die KI auch „Vertragsstreitigkeiten, geschäftliche Meinungsverschiedenheiten, Ansprüche wegen Rufschädigung, wissenschaftliche und technische Streitigkeiten“ lösen. Journalismus sei nur der Anfang.
Philipp Bovermann, sueddeutsche.de, 22.04.2026 (online)

