Bei Donald Trump besteht immer die Gefahr, dass sein großspuriges Gehabe von den eigentlich wichtigen Dingen ablenkt. Mit seinen Beleidigungen, Zollkapriolen, Kryptowährungsgeschäften, ministeriellen Personaldramen und kameragerecht inszenierten Grausamkeiten lenkt der US-Präsident die Aufmerksamkeit auf einen Zirkus, in dem er selbst der Direktor ist.
Zentrale Entwicklungen geraten dabei leicht aus dem Blick. Etwa der Umstand, dass der für 2027 vorgesehene Verteidigungshaushalt mit 1,5 Billionen US-Dollar nominal höher ist als je zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten – und real fast dasselbe Niveau erreicht wie während des Zweiten Weltkriegs, als die USA gegen Nazideutschland kämpften. Um so viel Geld aufzubringen, bittet der US-Präsident, ohne zu zögern, die Bürger:innen seines Landes zur Kasse – indem er den öffentlichen Einrichtungen, die sie ernähren, beschulen und pflegen, die Gelder streicht.
Dieses Verteidigungsbudget soll nicht zuletzt dazu dienen, den Strukturwandel des Staats und der US-Wirtschaft sowie die führende Stellung der USA in der Welt zu finanzieren. Die Prinzipien des freien Markts spielen dabei offenbar immer weniger eine Rolle.
Evgeny Morozov, Le Monde diplomatique, 11.06.2026 (online)

