Die Zahl der Programmbeschwerden bei ARD, ZDF und dem Deutschlandradio ist im Jahr 2025 massiv gestiegen. Allerdings kommt oft nur ein Bruchteil bei den Zuständigen an. Noch weniger werden als gerechtfertigt eingestuft. […]
Wie das Medienmagazin „Mediasres“ des Deutschlandfunks berichtete, stieg die Zahl auf knapp 5000. Im Jahr zuvor waren es 1100. Die Daten basieren auf einer Umfrage bei den Sendern und Rundfunkräten. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten müssen sich an Programmgrundsätze halten, die unter anderem in Staatsverträgen, Mediengesetzen und Programmrichtlinien festgesetzt sind. […]
Nach Aussage des Medienmagazins erhielt es bei seiner Umfrage kaum Auskunft über die Inhalte der Beschwerden. Als einzige Anstalt führt das ZDF jede Kritik einzeln auf. […] Dabei stellte „Mediasres“ fest: „Die Entscheidungen fallen oft zugunsten der Sender aus, selbst wenn Verfehlungen festgestellt worden sind.“ So habe das ZDF einer Kritik an dem viel diskutierten Beitrag in ZDF-„heute“ nicht stattgegeben, weil der Sender selbst einen Fehler eingeräumt habe. […]
Auf den Anstieg der Beschwerden haben jetzt einige Anstalten reagiert. So kann beim WDR der Rundfunkrat die Beschwerden differenzierter bewerten. Bisher konnte er sie nur annehmen oder ablehnen. Künftig kann er eine „Ermahnung“ aussprechen, und zudem muss die Intendantin Programmbeschwerden innerhalb von einem anstelle von zwei Monaten beantworten. Das ZDF hat die Kriterien für Kritik der Bürger so geändert, dass es künftig leichter wird, sie gar nicht erst zu akzeptieren.
Helmut Hartung, faz.net, 23.07.2026 (online)

