Als Spiegel der Zeit und der komplexeren und vielschichtigeren Gesellschaft gibt es mehr unterschiedliche Inhalte. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit Sexismus oder Rassismus. Themen wie das Mitspracherecht von Kindern und die demokratische Praxis sind wichtiger geworden. Es gibt einen enormen Bedarf gerade im Bereich des Nonfiktionalen, um diese komplexe Gesellschaft den jungen Menschen zu vermitteln und ihnen zu helfen, sich in der Flut der Angebote zurechtzufinden. […]
Beim dokumentarischen Erzählen für Kinder ist man weniger experimentell als bei dem für Erwachsene. Letztes Jahr hatten wir mit „Zirkuskind“ einen schönen Dokumentarfilm mit Animationen. Aber ein Animadok habe ich noch nicht gesehen. Im fiktionalen Kinderfilm ist man formatoffener. Dort sind etwa Musicaleinlagen weit verbreitet. […]
Es wurden auffällig viele Titel nach großen Marken eingereicht, egal ob es neuere sind oder ältere, die wieder aufgegriffen wurden. Nur sehr wenige Titel basieren auf weniger bekannten Geschichten oder auf Originalstoffen. Die Filme nach Marken haben eine hohe Qualität, sind oft enorm erfolgreich, aber es ist traurig, dass es kein viel breiteres Angebot für Kinder gibt. Ich wünsche mir größere Risikobereitschaft, verschiedenste Erzählweisen auszuprobieren, ähnlich wie beim Arthousefilm für Erwachsene. Dabei ist ein Arthousefilm für Kinder günstiger umzusetzen als einer für Erwachsene. Im Auswahlprozess haben wir wunderbare Filme gesehen, die ästhetische Grenzen ausloten und dabei mit kleinem Budget auskamen. Solche Filme zu unterstützen, ist die Aufgabe einer kulturellen Förderung.
Elisabeth Wenk, the-spot-mediafilm.com, 16.02.2026 (online)

