Halten wir kurz inne für einige Zwischenfragen: Warum werden offensichtliche Lügen – Lügen, die, wie gesagt, für jede Person mit Internetzugang als solche erkennbar sind – so verbreitet, dass sie bei bislang uninformierten Leserinnen und Lesern oder Zuschauerinnen und Zuschauern den Eindruck erwecken, die Urheber könnten womöglich die Wahrheit sagen? Warum werden pure Fiktion und realitätsgetreue Beschreibungen und Interpretationen gleichberechtigt dargestellt? Natürlich muss man – so banal es klingt -, manchmal auf Falschbehauptungen und Falschdarstellungen von Politikern eingehen, weil man das Publikum darüber informieren muss, dass diese Politiker Falschbehauptungen oder Falschdarstellungen verbreiten. Dies muss jedoch in einer Weise geschehen, die für die Rezipientinnen und Rezipienten unmissverständlich deutlich macht, dass es sich um Falschbehauptungen oder Falschdarstellungen handelt. Auch und gerade in einem Nachrichtentext.
René Martens, MDR Altpapier, 09.01.2026 (online)

