KI, Plattformmacht und der Kampf um Aufmerksamkeit verändern die Bedingungen, unter denen Journalismus überhaupt noch finanziert werden kann. Genau hier müsste ein Medienstaatsminister ansetzen: bei fairen Wettbewerbsbedingungen, bei der Macht von Big Tech, bei der Finanzierung von Journalismus und bei der Frage, wie Medienvielfalt in Zukunft überhaupt noch möglich sein soll. Er könnte dafür sorgen, dass Medienhäuser wirtschaftlich mehr Luft bekommen, die angekündigte Plattformabgabe vorantreiben oder sich um die Bedingungen für privaten Journalismus kümmern.
Stattdessen diskutiert er lieber über das ZDF. Das ist auch etwas faul, denn man kann sich selbst immer am besten als großer Reformer inszenieren, wenn man nicht für die Reform zuständig ist. Und wenn Weimer das mit seinem eigenen Aufgabenbereich nicht hinbekommt, dann sollte er vielleicht nicht mehr darüber nachdenken, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu privatisieren – sondern sich selbst.
Ann-Kathrin Leclere, taz.de, 16.09.2026 (online)

