Mit der Filmförderung (in dieser Hinsicht nun doch wieder der Singular) ist es ein wenig wie mit dem Gesundheitswesen – nur zum Glück mit deutlich geringeren Summen. Sie ergibt einen nicht zu durchschlagenden Knoten. Alle einschlägigen Gesetze in der Bundesrepublik wurden im Grunde von der Branche geschrieben, bei den Kinoleuten sind es vor allem die Produzenten, von denen viele ein Kernelement ihrer Tätigkeit weitgehend losgeworden sind: Risiko. Die Filmförderung ist unreformierbar, weil sie sich durch ihre inzwischen naturwüchsig wirkende Komplexität abgesichert hat und weil sie auf den ersten Blick erfolgreich ist – siehe die drei Filme in diesen Tagen in Venedig. Die Filmförderung ist aber auch unreformierbar, weil sie mit ihrem alltäglichen Betrieb zunehmend die Differenzierungen abschafft, auf denen eigentlich ihr ursprüngliches Motiv beruhte: etwas zu schaffen, was der Markt nicht hergibt.
So kann eine Serie wie „Unfamiliar“ auf Netflix zu einer Errungenschaft werden, wo es sich doch in Wahrheit um ein vollkommen austauschbares Produkt handelt, an dem Berlin als Schauplatz wie ein Markensuffix hängt. Die amerikanischen Plattformen, die Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu Geldquellen machen will, stehen zugleich schon als Abschöpfstelle für die Dutzendware bereit, die aus einer inhaltlich nicht näher qualifizierten Filmförderung entsteht. […]
Man kann es auch anders sagen: Künstlerischer Erfolg ist in dem System, wie es derzeit in Deutschland im Bereich Filme, Serien und visuelle Kunst gepflegt wird, ein Redundanzeffekt. Er kommt vor, hat aber eher mit den individuellen Bildungsgeschichten zu tun, die in Deutschland immer noch viele Menschen schreiben, oft unter vielen Enttäuschungen durch andere Menschen, die der berufliche Zufall an entscheidende Stellen in den Filmförderungen gebracht hat.
Bert Rebhandl, faz.net, 06.09.2026 (online)

