Zitiert: Deutschland hat die vitalste Medienszene der Welt

Leider hat es auch ein Problem mit dem Journalismus, weil zu viele Medienschaffende Journalismus mit Aktivismus verwechseln. Der Haltungsjournalismus – von progressiver ebenso wie von konservativer Seite – hat dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen den Medien misstrauen.

Diese Entwicklung ist brandgefährlich. Schlecht informierte Bürger treffen schlechte Entscheidungen. Deshalb braucht es eine Rückbesinnung auf klassische publizistische Prinzipien. Journalisten sollten informieren, nicht missionieren. Konkret bedeutet das: Zunächst neutral über ein Ereignis berichten. Meinung hat dabei nichts zu suchen.

Das Ereignis im zweiten Schritt ausgewogen einordnen, ohne dabei Aspekte auszublenden, die dem eigenen Weltbild widersprechen. Mit allen relevanten Akteuren reden. Wer über die AfD schreibt, muss auch mit AfD-Wählern reden. Erst im dritten Schritt kommentieren, aber dabei strikt Bericht und Meinung trennen. Quellen so weit wie möglich offenlegen. Die eigene Arbeitsweise erklären, Leserreaktionen ernst nehmen. Und natürlich neue Technologien wie KI pragmatisch nutzen, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen. Eine aus den Fugen geratene Welt braucht Journalisten, die unvoreingenommen berichten, damit möglichst viele Menschen sich ihr eigenes Bild machen können.

Und Werbetreibende sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, indem sie aufhören, Unsummen in Kanäle wie X, TikTok und Facebook zu investieren, die den öffentlichen Dialog verrohen und die Gesellschaft spalten.

Florian Harms, journalist.de, 26.01.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)