Leider hat es auch ein Problem mit dem Journalismus, weil zu viele Medienschaffende Journalismus mit Aktivismus verwechseln. Der Haltungsjournalismus – von progressiver ebenso wie von konservativer Seite – hat dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen den Medien misstrauen.
Diese Entwicklung ist brandgefährlich. Schlecht informierte Bürger treffen schlechte Entscheidungen. Deshalb braucht es eine Rückbesinnung auf klassische publizistische Prinzipien. Journalisten sollten informieren, nicht missionieren. Konkret bedeutet das: Zunächst neutral über ein Ereignis berichten. Meinung hat dabei nichts zu suchen.
Das Ereignis im zweiten Schritt ausgewogen einordnen, ohne dabei Aspekte auszublenden, die dem eigenen Weltbild widersprechen. Mit allen relevanten Akteuren reden. Wer über die AfD schreibt, muss auch mit AfD-Wählern reden. Erst im dritten Schritt kommentieren, aber dabei strikt Bericht und Meinung trennen. Quellen so weit wie möglich offenlegen. Die eigene Arbeitsweise erklären, Leserreaktionen ernst nehmen. Und natürlich neue Technologien wie KI pragmatisch nutzen, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen. Eine aus den Fugen geratene Welt braucht Journalisten, die unvoreingenommen berichten, damit möglichst viele Menschen sich ihr eigenes Bild machen können.
Und Werbetreibende sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, indem sie aufhören, Unsummen in Kanäle wie X, TikTok und Facebook zu investieren, die den öffentlichen Dialog verrohen und die Gesellschaft spalten.
Florian Harms, journalist.de, 26.01.2026 (online)

