Denn „der Steuerzahler“ kommt ja auch sonst für alles Mögliche auf, was er selbst ablehnt. Das ist ein Grundprinzip moderner Staatlichkeit. Ein Fahrradfahrer muss damit leben, dass mit seinen Steuern Autobahnen finanziert werden. Ein Pazifist muss ertragen, dass mit seinen Steuern Panzer gekauft werden.
Der Steuerzahler finanziert in einer Demokratie eben nicht nur den Schutz jüdischer Einrichtungen, sondern auch den Polizeischutz für rechte Demonstrationen. Die AfD, die der Verfassungsschutz ganz transparent in Teilen für „gesichert rechtsextremistisch“ hält, hat im vergangenen Jahr fast 13 Millionen Euro an staatlicher Parteienfinanzierung erhalten, auch aus Steuergeldern.
Wie fahrlässig, ja, gefährlich es ist, ausgerechnet „den Steuerzahler“ als vermeintlich legitimierende Instanz für Kultureinrichtungen ins Spiel zu bringen, dürfte schlimmstenfalls im Herbst deutlich werden. Sollte der AfD bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern der Griff nach der Macht gelingen, droht der patriotisch-geschichtsvergessene Kahlschlag bei Bühnen, Bibliotheken und Gedenkstätten, dann womöglich nicht mehr euphemistisch im Namen „des Steuerzahlers“, sondern des „Volkes“.
Sonja Zekri, sueddeutsche.de, 10.05.2026 (online)

