Ein paar Worte noch zum „Polizeiruf“ und überhaupt zum Umgang der Öffentlich-Rechtlichen mit dem Sonntagabendkrimi, ihrem angeblichen Aushängeschild in Sachen Fernsehqualität, aus dem Osten. Auch über den kann man gegenwärtig einen heiligen Zorn entwickeln. Die Mittel wurden so weit zusammengekürzt, dass immer weniger Drehtage zur Verfügung stehen, Szenen und Drehorte danach ausgesucht werden, ob beim Dreh Parkgebühren anfallen oder nicht. Mit dem, was Streamer pro Serie im Durchschnitt investieren, darf man das schon lange nicht mehr vergleichen.
Statt zwei Rostocker Fällen gibt es nur noch einen. Was die von Anfang an gepflegte horizontale Erzählweise – Rostock war dabei ein Pionier am Sonntagabend – fast unmöglich macht, weil man als Zuschauer schon zumindest eine Ahnung haben muss, welcher Subplot hier wie weitergeführt wird. Und weil jeder Drehbuchautor ins dramaturgische Dilemma zwischen zu viel und zu wenig Erzählen von Vorgeschichten gezwungen wird. Aber man will ja nicht meckern. Den Rostocker „Polizeiruf“ gibt’s ja immerhin noch.
In Magdeburg pausiert der „Polizeiruf“ demnächst. In Halle gibt’s gar keinen mehr. […]
Der Osten Deutschlands, der unterrepräsentiert ist, wird für im Durchschnitt mindestens sieben Millionen Haushalte, die sich regelmäßig ans letzte Lagerfeuer des Fernsehens setzen, ausgerechnet von jenen von der medialen Landkarte gelöscht, die doch für sein Sichtbarsein verantwortlich sein sollten.
Elmar Krekeler, welt.de, 01.11.2026 (online)
