… die einmal am Tag lief. Heute rotiert die Maschine rund um die Uhr – im Schleudergang. Gleichzeitig ist die politische Lage viel ungemütlicher: Die teils extremistische AfD führt in Umfragen, Russland ist wieder Gegner und die USA sind keine Freunde mehr. Anders als in den Neunzigern, als Politikverdrossenheit eine flüchtige Verstimmung war, ist die Sorge um die Demokratie heute existenziell.
Der Journalismus landet damit in einem Dilemma, denn es ist ja einerseits seine Kontrollaufgabe, über Krisen zu berichten. Andererseits seien Krisen ein „Kernelement des Populismus“, wie der Politologe Cord Schmelzle vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Frankfurt am Main sagt. „Populisten betten diese Krisen in eine größere Erzählung des Niedergangs ein, mit Helden und Schurken, wobei die Populisten natürlich die Helden und die korrupten Eliten die Schurken sind.“
Nicolas Richter, sueddeutsche.de, 28.05.2026 (online)

