Zitiert: Der mediale Fokus auf individuelles Verhalten erzeugt ein schlechtes Gewissen

Das WDR-Format „Quarks“ präsentiert auf seinem Instagram-Kanal einen Post mit dem Titel: „Klimakrise: Darum ist dein Urlaub nicht das Problem.“  Zunächst klingt das nach einer Einordnung privater Reisen in den größeren Kontext von Emissionen und Klimaschutzmaßnahmen. „Quarks“ spricht auch die Flugscham als Phänomen an. Doch dann empfiehlt „Quarks“, statt auf Flugreisen zu verzichten, lieber ganzjährig auf nachhaltige Ernährung und Kleidung zu achten – das habe einen größeren Effekt für den Klimaschutz.

Bei dem Thema fehlt die strukturelle Ebene komplett. Die Ernährungs- und Modeindustrie sind globale Märkte, in denen Nachhaltigkeit für den Endverbraucher kaum nachvollziehbar ist. Das heißt: Solange Subventionen für Fast Fashion und industrielle Fleischproduktion unangetastet bleiben, kann auch die beste Absicht kaum etwas bewirken. Denn Subventionen verbilligen diese Waren durch Steuergelder künstlich. Nachhaltige Alternativen bekommen diese Unterstützung meist nicht und bleiben deshalb teurer. […]

Der mediale Fokus auf individuelles Verhalten erzeugt ein schlechtes Gewissen, das Redaktionen dann mit Serviceinhalten für Nachhaltigkeit zu lindern versuchen. Strukturelle Ursachen wie Subventionen oder mangelnde Transparenz in globalen Lieferketten bleiben dabei außen vor. Ohne diese Umstände klar zu benennen, bewirkt eine solche Reportage-Reihe vor allem ein schlechtes Gewissen.

Marleen Uebler, Übermedien, 23.03.2026 (online, Paid)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)