Stefanie ist 52 Jahre alt, Grafikdesignerin und eine Kunstfigur. Der Bayerische Rundfunk hat sie sich für das Programm BR-Klassik ausgedacht und verlangt von den Moderatoren, dass sie sich an ihr als typischer Hörerin orientieren. […]
Stefanie will von Beiträgen keinesfalls belehrt werden, belehrt der Sender seine Mitarbeiter. Das „Prodesse et delectare“, das einst die Kunst aufforderte, aufzuklären und zu unterhalten, wird halbiert, der Unterschied von Kunst und Erfrischungsgetränk eingezogen. Dass die Kunst auch etwas zu denken gibt, fällt weg. Wissen? Weitgehend entbehrlich, sofern es nicht im Dienst der Erlebnisvermittlung steht. Bildung von Urteilskraft? Kein Wort davon, dafür „Storytelling“ und „Kino im Kopf“, was Konzertkritik ausschließt, denn da gibt es ja nicht viel zu sehen. Obwohl, vielleicht das fliegende Haupthaar der Pianisten. […]
Dass Musik gedankenreich und oft kein Schaumbad ist, schwierig sein kann und Verständnisfragen aufwirft, ignoriert das „Briefing“ der Musikkritiker. Den Begriff der Kritik löscht es aus dem Berufsbild. Es behandelt sie als Animateure.
Jürgen Kaube, faz.net, 19.02.2026 (online)

