Wir befinden uns weiterhin in einer eklatanten Schieflage zwischen Ost und West, was Lohnunterschiede angeht, den Besitz von Immobilien und die Möglichkeit, Vermögen aufzubauen. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der mittlere Verdienst der Vollzeitbeschäftigten bei 3300 Euro brutto im Monat, nebenan in Hamburg sind es 4500 Euro. […]
Wir haben immer noch kein ostdeutsches Unternehmen im Dax und nur ein Vorstandsmitglied von 252 im Dax mit ostdeutscher Biografie. Das zieht sich durch bis in die Universitäten, wo nur zwölf von 174 deutschen Hochschulen unter ostdeutscher Leitung sind. Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Unser gesamtdeutscher Machtdiskurs ist westdeutsch geprägt. […]
Das Vermögen westdeutscher Haushalte ist 36 Jahre nach der Wiedervereinigung doppelt so hoch wie jenes im Osten. Zudem erben und vererben Ostdeutsche fast nichts. Die Süddeutsche Zeitung selbst hat gerade wieder dazu berichtet: Zwei Prozent vom gesamtdeutschen Erbschaftsteueraufkommen sind der Anteil, den die Ostdeutschen daran haben. Zwei Prozent.
Marieke Reimann, sueddeutsche.de, 14.08.2026 (online)

