Ich bin davon überzeugt, dass Demokratie nur funktioniert, wenn sie auf freien und leistungsfähigen Medien beruht. Das ist eine zwingende Voraussetzung. Aus dem Studium erinnere ich ein Zitat von Thomas Jefferson, dem Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Der sagte zugespitzt: Wenn er vor der Entscheidung stünde, auf die Regierung oder auf die Zeitungen zu verzichten, würde er auf die Regierung verzichten. Eine demokratische Gesellschaft kann in der Tat ohne einen öffentlichen Raum, ohne eine Infrastruktur, die das öffentliche Gespräch ermöglicht, auf Dauer nicht bestehen. Es gibt gegenwärtig eine Neigung, die Probleme vermeintlich dadurch lösen zu wollen, dass alles schnell durchentschieden werden soll. Das funktioniert aber nur, wenn sich eine Gesellschaft zugleich darüber verständigen kann, wie sie leben möchte. Und dafür braucht es freie und vitale Medien. Mich treibt dieses demokratische Selbstverständnis um, und deshalb bin ich in der Kultur- und Medienpolitik gelandet, weil es dort im Kern immer um Rahmenbedingungen gesellschaftlicher Verständigungsprozesse geht.
Carsten Brosda, faz.net, 07.07.2026 (online)

