Zitiert: Das Zappen ist zurück

Die Rückkehr linearer Programme hat auch eine medienpolitische Dimension. Während früher Kabelnetzbetreiber und Satellitenplattformen über die Verbreitung von Fernsehsendern entschieden, gewinnen heute internationale Streaming- und Smart-TV-Plattformen zunehmend an Einfluss.

Unternehmen wie Samsung, LG, Roku oder Google TV entscheiden mit ihren Benutzeroberflächen darüber, welche FAST-Channels und Streaming-Angebote prominent angezeigt werden. Damit verlagert sich die Kontrolle über die Auffindbarkeit von Inhalten zunehmend auf digitale Plattformbetreiber. […]

Drei Jahrzehnte nach dem Start des Digitalfernsehens zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Nicht das lineare Fernsehen verschwindet. Vielmehr wandert es auf neue Plattformen. Streaming ersetzt das klassische Fernsehen nicht vollständig. Stattdessen übernimmt es viele seiner erfolgreichsten Prinzipien und verbindet sie mit den Möglichkeiten moderner Internet-Technologien. FAST-Channels, personalisierte Werbung und kuratierte Live-Programme zeigen, dass lineares Fernsehen auch im Streaming-Zeitalter eine Zukunft besitzt.

Der größte Unterschied liegt heute nicht mehr in der Programmform, sondern im Verbreitungsweg. Aus dem klassischen Rundfunk ist internetbasiertes Fernsehen geworden. Das Zappen ist zurück – allerdings nicht mehr über Antenne, Kabel oder Satellit, sondern über Apps, Smart-TVs und Streaming-Plattformen.

Marcus Reichl, digitalfernsehen.de, 01.08.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)