Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen klaren Auftrag: nämlich, zur politischen Meinungsbildung beizutragen. Und diese Meinungsbildung passiert heute hauptsächlich im digitalen Raum. Genau deshalb darf dieser Raum nicht nur einigen wenigen Konzernen überlassen werden.
Das Fediverse ist eine Chance: Öffentlich-rechtliche Sender können eigene Instanzen betreiben, Moderationsstandards entwickeln und journalistische Algorithmen gestalten. Denn die Aufmerksamkeitsökonomie ist keineswegs zwangsläufig: Für Alternativen gibt es zahlreiche Prototypen und Forschungsprojekte, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie das Fediverse und Journalismus gemeinsam funktionieren können.
Deshalb sollten alle öffentlich finanzierten Inhalte zusätzlich auch auf offenen Plattformen verfügbar sein. Denn diese Plattformen könnten die Räume des Wissens und des Austauschs sein, die wir uns ursprünglich vom Internet erhofft haben.
Wenn wir über die Zukunft der ARD diskutieren, sollten wir nicht nur über so periphere Fragen reden wie „Welche Inhalte, welche Personen, welche Formate?“, sondern ganz grundlegend: „Wo passiert politische Meinungsbildung und wie können wir diese gestalten?“ […]
Das Fediverse ist ein Versuch, zu den Ursprüngen des Internets zurückzukehren: offen, transparent und demokratisch organisiert. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht es dabei nicht nur um Reichweite, sondern darum, ein Vorbild zu sein. Ein Vorbild für digitale Souveränität und eine resistente demokratische Öffentlichkeit.
Denn wenn demokratische Gesellschaften ihre Debatten zunehmend online führen, dann müssen auch die Infrastrukturen dieser Debatten demokratisch sein. Das Fediverse weist hier einen Weg in die richtige Richtung. Und es ist eine Zeit, dass auch die ARD diesen mitgeht.
Denn wie soll Demokratie gestaltbar sein mit undemokratischen Plattformen?
Cara Platte, Tagung der Historischen Kommission der ARD, 19.03.2026 (online)

