Zitiert: Blaue Stunde in bürgerlicher Dämmerung

Das öffentlich-rechtliche Radio in Österreich glänzt mit einer sympathischen Überraschung. Das lineare Programm ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so etwas wie der Personenverkehr für die Deutsche Bahn ein notwendiges Übel. Wo letztere lieber ein internationaler Logistikkonzern sein wollte, sieht sich ersterer gerne als hippe Streamingplattform a la Netflix. Ob es dabei hilft, die 2017 als „ARD Audiothek“ gestartete Plattform ins maximal unspezifische „ARD Sounds“ umzubenennen, sei dahingestellt.

Da freut man sich, dass der österreichische Rundfunk ein neues lineares Format aus der Taufe hebt. Dort läuft immer montags um 21 Uhr „Die blaue Stunde“ zugegeben kein ganz taufrischer Titel. […]

Offensichtlich diskriminiert die „Blaue -Stunde“ -Redaktion nicht nach Alter. Warum sollte man sich im gebührenfinanzierten Radio auch auf das marketinggetriebene Alterskohortenbashing einlassen?

Das Schöne an diesem Format ist, dass es sich auf das besinnt, was das lineare Radio kann, wenn es sich nicht dem Diktat des „audience flow“ unterwirft. Es kann formal wie inhaltlich überraschen.

Die „Blaue Stunde“ beweist: Texte, Songs, Klangkunst können problemlos nebeneinanderstehen und sich bestenfalls gegenseitig erhellen, auch „inmitten der bürgerlichen Dämmerung“, in der der ORF sein neues Format verortet.

Jochen Meißner, KNA, 26.03.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)