Demokratiefans mag verstören, dass Springer einen Preis für Meinungsfreiheit an Peter Thiel verleiht. Gleicht man aber die Biografien des Verlagsgründers und des selbsternannten Disruptors aus den USA ab, ist das nur folgerichtig. […]
Immerhin, mit Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Elon Musk hat der Konzern seit 2016 bereits ebenso zentrale wie schillernde Figuren der Tech-Branche mit diesem Preis geehrt. Und Thiel steht in vielen Aspekten in der Tradition des Konzerngründers Axel Springer selbst. Wie dieser stammt er aus wohlhabendem Elternhaus und vermochte es, durch guten Instinkt sein Startkapital schnell zu vermehren. Beider Unternehmen konnten an schnell wachsenden neuen Märkten partizipieren, Springer wurde als Verleger in der Gründerzeit der Bundesrepublik groß, Thiel während der digitalen Revolution. Ihre Verbindungen zur Politik waren eng, führten aber nie in die Abhängigkeit. Vielmehr nutzen beide die Marktmacht ihrer Unternehmen für die eigene Agenda. […]
Auch bei den Tech-Oligarchen ist die Regellosigkeit nur eine Seite. Tatsächlich sind sie auf den Staat angewiesen, zunächst als Kunde und schließlich als Sicherheitsgarantie. Nicht wenige ihrer Produkte sind auf die Bedürfnisse staatlicher Organe wie Verwaltung, Polizei und Militär zugeschnitten. Um die Programme zu bezahlen, braucht es ebenso Steuergeld, wie zur Aufrechterhaltung der Eigentumsordnung, innerhalb der sie operieren. So wie Springer die Kartellbehörde verfluchte und die Polizei lobte, wollen auch sie viel Staat für die anderen und wenig für sich.
Volker Weiß, sueddeutsche.de, 17.09.2026 (online)

