Klar, „Publikumsdialog“ steht mittlerweile fast überall drauf. Aber wirklich ankommen tut davon beim breiten Publikum noch nicht sehr viel. Immerhin, die Lage ist besser als vor zehn Jahren, wo Dialogideen innerhalb der ARD und auch von der damaligen WDR-Spitze die kalte Schulter gezeigt wurden. Als der MDR als ARD-Vorsitz anno 2016 die Plattform ARDialog vorschlug, die nach dem Motto „Fragt uns einfach“ funktionieren sollte, war das nicht mehrheitsfähig. Was noch sehr höflich formuliert ist.
Jetzt ist die Botschaft endlich angekommen. Aber ARD wie ZDF rücken dem Dämon Dialog immer noch arg formal zuleibe. Sie haben gerade zum Beispiel eine „gemeinsame Formatidee für gesellschaftlichen Dialog“ ausgeschrieben. Gesucht wird ein „nonfiktionales Kulturformat“ mit einer „starken erzählerischen Idee, das viele Menschen erreicht und im Gedächtnis bleibt“. Es soll „Überzeugungen und Lebenswelten zusammenbringen, die sich sonst selten wirklich begegnen“, was eine Herausforderung ist und leicht auch verkrampft werden könnte.
Die Kreativität soll sich daher auf engen Bahnen bewegen, denn die Zielgruppe ist exakt vermessen. „Zur internen Einordnung dienen die ZDF-Zielgruppen CC2 und CC3 sowie die ARD-DMT-Gruppen Ambitionierte und Neokulturelle.“
Steffen Grimberg, taz.de, 01.10.2026 (online)

