Um eine erneute Kontroverse im Keim zu ersticken, wählte der MDR dieses Mal ein extrem aufwendiges, mehrstufiges Auswahlverfahren unter Beteiligung aller zuständigen ARD-Anstalten (BR, HR, MDR, NDR, WDR und RBB). Jana Cebulla, Hauptredaktionsleiterin Kultur und Jugend im MDR, erklärte am Mittwoch: „Es hat im Auswahlverfahren mehrere Abstimmungsrunden nach Punktesystem gegeben und am Ende ist es eine gemeinsame einstimmige Entscheidung aller beteiligten Redaktionen der ARD gewesen.“ Ziel war eine maximale Akzeptanz innerhalb der Branche. […]
Die Berufung von Thilo Jahn ist kein mutiges Experiment, sondern handwerklich sauberer, taktischer Kulturjournalismus. Jahn bringt genau das mit, was nötig ist und Mischke augenscheinlich nicht hatte: die unbestrittene Akzeptanz der oft empfindlichen Kulturszene und eine jahrelange, öffentlich-rechtliche DNA. Dass der MDR hier ein bürokratisches Punktesystem bemühen musste, um alle Landesrundfunkanstalten auf Linie zu bringen, zeigt zwar erneut den schwerfälligen Apparat der ARD – im Ergebnis hat man sich damit jedoch erfolgreich vor dem nächsten, medialen Shitstorm geschützt.
Manuel Weiß, digitalfernsehen.de, 20.05.2026 (online)

