Deutschland hat viele journalistische Angebote. Sichtbar ist davon nur ein kleiner Teil. Laut einer Untersuchung der Landesmedienanstalten von 2021 entfallen weit über 80 Prozent der bei Google angezeigten Schlagzeilen auf zehn bis fünfzehn Medienmarken.
Google kontrolliert dabei gleich mehrere Zugänge: rund 90 Prozent Marktanteil bei der Suche, dazu Google News und Discover, die auf jedem Android-Gerät vorinstalliert sind. KI-Übersichten verengen die Sichtbarkeit eines vielfältigen Angebots weiter. Sie nennen journalistische Quellen nur in einem Bruchteil der Antworten und bevorzugen dabei bekannte Marken. Die Independent Publishers Alliance und Corint Media haben deshalb in Brüssel Beschwerde eingelegt. Ihr Kernargument: Ein Opt-out aus der KI-Verwertung ist praktisch nicht möglich, weil es den Ausschluss aus der Suche bedeuten würde.
Die Folgen sind ungleich verteilt. Große Häuser kompensieren Sichtbarkeitsverluste über Abos, Apps und Newsletter. Manche gehen Deals mit OpenAI und anderen KI-Unternehmen ein und gewinnen darüber zusätzliche Sichtbarkeit, wie der Axel-Springer-Konzern mit Welt, Bild und weiteren Marken. Lokale, gemeinnützige und spezialisierte Medien haben dafür weder Budget noch Personal.
Medienvielfalt lässt sich deshalb nicht allein daran messen, wie viele journalistische Angebote existieren. Entscheidend ist auch, ob sie an den zentralen digitalen Zugangspunkten eine reale Chance haben, vom Publikum gefunden und wahrgenommen zu werden.
Markus Beckedahl, digitalpolitik.de, 15.09.2026 (online)

