Zitiert: Geschichtsvergessener Journalismus

Längst vorbei und fast schon vergessen sind die Jahre, als sich bei Wahlen zum Bundestag und zu den Landtagen zwei Lager gegenüberstanden und bekämpften. ‘Lagerwahlkampf‘ hieß das zu Zeiten Helmut Kohls. ‘Freiheit statt Sozialismus‘ war ein Wahlkampfmotto der Unionsparteien zur Bundestagswahl 1976, als ‘Sozialismus‘ mit Sowjetunion und DDR und den Unterdrückungssystemen dort gleichgesetzt wurde. Über die Ostverträge und über ‘Hessische Rahmenrichtlinien für Gesellschaftslehre’ (in der Bildungspolitik) wurde gestritten, als ob es um den Bestand von Demokratie und Freiheit in der Bundesrepublik gehe. …Dermaßen in Vergessenheit geraten ist jene Zeit in den 1970er-Jahren, dass in Politik und Medien heutzutage Begriffe verwendet werden, die einer entpolitisierenden Verharmlosung ihrer Ursprünge gleichkommen. Gibt es in einer Partei – gleich welcher – Bestrebungen, eine Führung abzuwählen, ist von ‘Putsch‘ die Rede. Gibt es in einer Partei – wiederum gleich welcher – eine Führung, die ihren Auftrag mit harter Hand durchsetzen will, gar von ‘Stalinismus‘. So als ob die Benutzer dieser Termini gedankenlos nicht wüssten, was ein Putsch wirklich ist und welche Verbrechen sich Stalin hatte zuschulden kommen lassen.

Günter Bannas, newsroom.de, 05.08.2019 (online)

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